Aktuelle Whiskypreise

Alles was halt sonst nirgends reinpasst passt hier rein

Aktuelle Whiskypreise

Beitragvon King Alexander III » Fr 1. Nov 2013, 19:19

Stefan Wolters hat heute wiedereinmal einen Intressanten Artikel geschrieben. Zu diesem Thema passt gerade die neue Auktion auf Whiskyauction.com. Der 20 y Sherry Talisker ist 23 Tage vor ende der Auktion bei 705 Euronen!!! :o

Auch mir ist aufgefallen, dass sich die Preise für z.t. unter 8 y Whisky schon über 100.- liegen. Ist doch langsam wircklich absurd!

Hier der Artikel von Stefan

Zurückgekaufte Fässer und durchgeknallte Preise

Von Stefan Wolters.

Auf whiskyauction.com werden seit über 10 Jahren Malt Whiskies aller Provenienzen versteigert. Seit einigen Jahren werden dort für Malts aus Hype-Destillerien wie Ardbeg, Springbank, Brora, Macallan, Lagavulin und Konsorten regelmässig Phantasie-Preise bezahlt. Soweit nichts Neues. Das Preisniveau der letzten Auktion (2013-11), vor gut einer Woche, sprengt jedoch beinahe jedes Mass: Fast scheint es, als könne man jetzt für alles fast alles verlangen! Und zwar auf breitester Front. Selbst die Preise für Malts, die wir noch im aktuellen Sortiment haben oder bis vor kurzem hatten, verlieren den Boden unter den Füssen. Müsterchen gefällig? Balvenie Tun 1401 Batch 7 wechselte für € 300-350 den Besitzer und Balvenie Triple Cask 25y für € 350. Unser immer noch reichlich vorhandener Ladenhüter seit über einem Jahrzehnt, nämlich der Tamnavulin Stillman’s Dram 28y ging für € 145 über den Tisch. Gar nicht mehr kommentieren wollen wir die Preise für Destillate aus den guten alten Tagen von Port Ellen, Ardbeg oder Bowmore. Nur soviel, den Vogel abgeschossen hat bei der letzten Auktion ein Brora 1972 Rare Malts, für den über € 6’000 geboten wurde!

Vielleicht lassen sich diese Höchstpreise für die alten Legenden auch ganz einfach mit der momentanen Verknappung der Whisky-Sortimente erklären. Die schottischen Produzenten und Anbieter hocken derzeit – natürlich ganz bewusst – auf ihren älteren Beständen. Junge Islay Malts, wie zum Beispiel Caol Ila oder Laphroaigs, waren immer in grosser Vielzahl verfügbar. Nachdem der rauchige Johnnie Walker Double Barrel auf den asiatischen Märkten hohe Zuwachsraten einfuhr, stoppte Diageo kurzerhand den Verkauf von Caol Ila. Denn Caol Ila bringt die Rauchnote in diesen Blend Scotch ein. Aber es geht noch weiter: Teilweise gehen die Produzenten nun sogar schon dazu über, Whiskyfässer vom freien Markt zurückzukaufen! Mit dem Ergebnis, dass Islay Malts inzwischen in vielen aktuellen Angebotslisten komplett fehlen. Selbst die jungen, wilden Rauchdinger sind gänzlich verschwunden oder nur noch zu völlig durchgeknallten Preise zu haben.

Diese Entwicklungen, welche zuerst die Händler trafen, bemerken inzwischen auch die Endverbraucher. Und so verwundert es auch nicht, dass sich viele Whiskyliebhaber im Augenblick mit noch verfügbaren, älteren Abfüllungen aus den letzten Jahren eindecken. Über 25 Jahre alte Independent Abfüllungen sind bei uns seit Wochen der Renner und zum Teil bereits ausverkauft. Das freut uns einerseits natürlich sehr, andererseits sehen wir der Zukunft mit leichtem Bauchweh entgegen. Vieles ist ungewiss, der Nachschub versiegt, die Preise steigen weiter. Und das unsinnige Spielchen mit immer weiter steigenden Preisen für identische Nachfolgeabfüllungen machen auch wir nur noch begrenzt mit. Soviel steht fest: wenn es so weiter geht, ist irgendwann dann «der Zapfen ab» und der Punkt erreicht, an dem wir lieber auf überteuerte Abfüllungen verzichten und unseren Lieferanten statt einem vollen Bestellformular nur noch die rote Karte zeigen.

Was danach kommt, ist schwierig zu sagen. Denn wie heisst es doch: «Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen.» Wohl wahr. Wir halten uns im konkreten Fall aber lieber an ein anderes Zitat: «Die beste Art, die Zukunft vorauszusagen, ist, die Zukunft zu erfinden.» Das machen wir und freuen uns schon auf die nächsten drei Acla Selection Eigenabfüllungen, welche wir in Kürze vorstellen werden. Diesmal ist sogar ein leckerer Sherrycask Malt dabei! Und was man zu diesen Whiskies jetzt schon sagen kann: Whiskygenuss der Flügel verleiht und das zu Preisen, die auf dem Teppich geblieben sind. So sollte es doch eigentlich sein – und auch bleiben.

Also keep cool und stay tuned - Cheers!
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Re: Aktuelle Whiskypreise

Beitragvon islayfan » So 3. Nov 2013, 12:57

Wirklich sehr interessanter Artikel, denn Stefan da geschrieben hat und umso spannender natürlich, da er aus Händersicht beschreiben kann, was bei ihnen zurzeit abgeht. Ich frage mich, wann es den Kunden verleidet. Natürlich sind da die "neuen Märkte", die auch Whiskydurst haben und dennoch, das Spielchen das Ardbeg, Bruichladdich, Laphroaig und Co. treiben, kann doch nicht ewig gutgehen. Oder sind es vielleicht nur wir Whisky-Afficionados, denen das auffällt.

Analysiert doch bitte mal genau die Bruichladdich-Page von A-Z. Es ist wirklich marketingtechnisch sehr gut geschrieben und man neigt nach einer Stunde Lektüre, den ganzen Mist zu glauben, so gut ist es gemacht. Also da sprechen sie davon (wohl die Franzosen), wie wichtig das Terroir ist (wie beim Bordeaux) und wie wichtig die Getreidesorten (wie bei den Weintrauben) und dass sie die einzigen sind, die jeden Bauern und jede Sorte genau kennen und das auch auf der Flasche transparent machen. Soweit finde ich das wirklich auch toll, ABER, dass es nun auch alles No-Age-Abfüllungen sind (wir reden wahrscheinlich von 3-8-jährigen Whiskys in den neuen Abfüllungen), die zu Preisen verkauft werden, die vorher der 15-jährige kostete. Da fühle ich mich dann halt doch verarscht.
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Re: Aktuelle Whiskypreise

Beitragvon ASWhisky » So 3. Nov 2013, 16:37

freie Marktwirtschaft ist eben so aufgebaut
und wenn es um Marken oder Luxus- und Genussgüter geht
ist dieser Trend doch schon ziemlich in die Jahre gekommen
und eigentlich gar nichts Neues

normalerweise reguliert der Markt sich mit der Zeit von alleine
(könnte beim Whisky allerdings etwas dauern, was wohl jetzt genutzt wird um Geld ab zuschöpfen)
wie man als Endverbraucher darauf reagiert ist meistens eine persönliche Ermessensfrage
am Ende wird diese Hysterie dazu führen das viele neue und auch alte Hersteller sich einen Teil von diesem Marktkuchen abschneiden möchten
was widerum zu einem heftigen Konkurrenzkampf führt, der immer günstig für die Endverbraucher ist
aber unter Umständen auch schlecht für die Produktqualität

Ausnahmen sind hier renommierte Markennamen und ihre Raritäten
was ja nun beim Whisky das besondere ist
diese Preise werden auf jeden Fall auf lange Sicht gesehen noch ganz andere Ausmaße annehmen
der wachsende Whiskymarkt steht umgekehrt proportinal zu den schwindenden Vorräten an Whiskyraritäten

unternehmerisch nachvollziehbar, dass die Eigentümer diesen einmaligen Raritäten Markt für sich nutzen

der neue Port Ellen 2013 soll 1.800,00 € kosten!!
ja das ist lachhaft,
aber verständlich, dass hier versucht wird den Gewinn der Spekulanten selbst abzuschöpfen
traurig für den Genießer
was ich demnächst taste
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Re: Aktuelle Whiskypreise

Beitragvon King Alexander III » So 3. Nov 2013, 17:55

Das sehe ich auch so ASWhisky.

Wie du gesagt hast ist es traurig für geniesser. Was man hier noch ergänzen muss ist die Tradition. Man schaue nach Bordeaux, da wird nun vieles aufgekauft von neureichen Chinesen. Diese wiederum bringen ganz neue Ideen mit die meistens leider mit der alten Tradition nicht mehr viel am Hut haben. Bei solchen "ausverkäufen" kommen halt viele Geldgeile (entschuldigt den Ausdruck) Menschen in den Markt und richten pressen da die Zitone auf den letzten Tropfen aus.


Jammern bringt nichts! Abwarten bis alles vorbei ist und sich dann über die rückkehr zu geilem Stoff erfreuen. Und bis dahin werde ich auf kleine unbekannte Destillen setzten.
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Re: Aktuelle Whiskypreise

Beitragvon ASWhisky » Mo 4. Nov 2013, 02:41

wie auch immer das mit den Zitronen hat was... :P
was ich demnächst taste
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