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Re: Feis Ile 2013

BeitragVerfasst: Mi 29. Mai 2013, 19:41
von Bernd
Ganz vergessen: Bei Bowmore gabs ja auch noch was - "Match made in heaven", das hieß Kombinationen von Essen und Whisky zu probieren. Craig Millar aus Fife hat uns kulinarisch verwöhnt, dazu gabs die beiden Festivalwhiskies (ja, auch den 1988er, aber da war der Zug schon abgefahren), einen Darkest und einen Springtide. Das Essen war Spitzenklasse, und mein Liebling unter den Whiskies war der Springtide - ich steh halt auf Sherryfaß ...
Nur satt geworden bin ich leider nicht, also waren wir im Anschluß noch beim Islay Ales Open Day und haben uns dort an schnöden Burgern, Würstchen und dem Festivalbier gelabt.
Morgen ist Kilchoman dran, darauf freu ich mich schon sehr.

Re: Feis Ile 2013

BeitragVerfasst: Fr 31. Mai 2013, 18:51
von Bernd
Gestern Kilchoman, heute mal wieder Ardbeg.
Kilchoman war nur zu 2/3 gut: Ich hab meine Festivalabfüllung gekriegt und hatte eine extrem lehrreiche Veranstaltung namens "Still Skills" mit Tony Rozga, dem Stillman, und seinen Kollegen. Tony hat uns viel über den Destillationsprozeß beigebracht, und währenddessen wurde natürlich auch der ein oder andere Machir Bay vernichtet.
Enttäuschend war allerdings die sogenannte Masterclass mit Anthony Wills, dem Inhaber. Zum einen konnte ich bei ihm deutlich mehr Begeisterung fürs "Making Money" wahrnehmen als fürs "Making Whisky". Zum anderen waren die kredenzten vier Whiskies einfach grottig. Ich hatte den Eindruck, daß man da ziemlich lieblos auf die Schnelle ein paar halbgare Fässer ausgewählt hat; mit ein bißchen Fantasie konnte man sich vorstellen, daß die in einigen Jahren vielleicht was Manierliches abgeben könnten, aber heute sind sie einfach noch nicht reif genug (auch der älteste darunter nicht, der war immerhin 6 Jahre alt, wenn ich mich richtig erinnere). Das kann Kilchoman deutlich besser!
Bei Ardbeg gabs dann heute Peat Bog Dialogues, einen sehr lehrreichen, feucht-fröhlichen Marsch ins Moor von mehr als 3 Stunden Dauer. Wir erfuhren dabei nicht nur viel Ungewöhnliches über Land und Leute, sondern auch über die Herkunft des Wassers für die Ardbeg-Whiskies und übers Torfstechen. Bei letzterem konnten wir dann auch selbst Hand anlegen. Insgesamt wurden 5 Whiskies ausgeschenkt: Blasda, Very Young, Ardbog, Alligator und Galileo. Die Wanderung endete am unteren Wasserreservoir, dem Airigh-nam-Beist, mit einem Lunch unter freiem Himmel (das "Catering" war mit einem Quad hergebracht worden), dann gings wieder zurück. Tolle Veranstaltung, mit 20 Pfund pro Nase sicher nicht überteuert. Laphroaig und Lagavulin bieten sowas auch an, aber da wird man mit dem Bus herumgefahren, ist den ganzen Tag unterwegs und zahlt viel mehr. So komprimiert wie bei Ardbeg fand ich das viel schöner, und durchgängig an der frischen Luft bewegt haben wir uns auch.
Morgen bildet dann der Ardbeg Open Day den krönenden Abschluß des diesjährigen Feis Ile. Bin gespannt, wie lange morgen früh um zehn die Warteschlange für den Ardbog ist ...

Re: Feis Ile 2013

BeitragVerfasst: So 2. Jun 2013, 23:32
von Bernd
So, nun haben wir das also auch mal wieder hinter uns.
Der Ardbeg Open Day begann natürlich mit der Warteschlange für den Ardbog, aber die war erfreulicherweise sehr kurz, so daß ich pünktlich zu meinem Re(Peat) Tasting antreten konnte. Da gab es leider überwiegend vergriffene Abfüllungen, die ich eh zuhause stehen habe (Still Young, Very Young etc.). Einziges echtes Highlight war ein 1975er- ein Traum, und das Gros ist dann auch gleich in meine Sample-Flasche gewandert. Und da einige Angemeldete nicht erschienen sind, wanderte der 75er Dram des leeren Platzes neben mir gleich auch hinein.
Stand bis hierhin: 7 Whiskies, davon einen abgefüllt, also 6 im Bauch, und das um 11:30 vormittags.
Nächster Event: Eine Fahrt mit dem Schnellboot nach Texa, einer kleinen Insel ungefähr auf der Höhe von Laphroaig. Dort gab es Wissenswertes zur Geologie von Schottland und zwei lebende Velociraptoren (...) sowie einen lehrreichen Spaziergang über das wirklich wunderschöne Eiland. Ach ja, und zwischendrin natürlich noch 4 Drams, aber alles Standardabfüllungen inklusive Ardbog. Letzteren mußten wir uns übrigens erst verdienen:
Es galt, aus einem Kontinente-Puzzle den jahrmillionenalten Superkontinent Pangäa zusammenzusetzen, eine durchaus anspruchsvolle Aufgabe!
Zwischenstand: 15 Uhr, 6 + 4 = 10 Whiskies im Bauch. Befinden einwandfrei!
Next: Ein Ardbog zur Stärkung, dann das Organoleptic Orienteering Tasting, eine anderthalbstündige Wanderung rund um die Destillerie mit eingestreuten Suchaufgaben. Wer die jeweils nächste zu trinkende Flasche im Gelände fand, bekam eine Miniatur.
Diesmal zwei Highlights dabei: Der Lord of the Isles und ein ganz weicher 1974er aus dem Bourbonfaß mit gerade mal 41% ( und schon wissen wir, warum der ausgeschenkt wurde ...), der ebenfalls in eine Sampleflasche wanderte.
Und wieder 6 Whiskies, davon einen abgefüllt, macht insgesamt 15 im Bauch, Stand 16:30.
Merke: Für Ardbeg Open Days braucht es eine starke Leber!
Dadurch, daß sich die Whiskies aber auf den Tag verteilten, das Wetter recht warm war und man viel marschiert ist, habe ich mich zu keiner Zeit betrunken gefühlt, höchstens angesäuselt. Meine Frau, die nüchtern blieb, wußte heute morgen auch nichts Gegenteiliges von mir zu berichten.

Insgesamt muß ich sagen, daß das Feis Ile nach dem dritten Mal seinen Reiz für mich verloren hat. Viel zu viele Leute, viel zu viel Trubel, viel zu viel Kommerz. Wir haben daher beschlossen, den ruhigen Seiten das Insellebens den Vorzug zu geben und nächstes Mal erst nach dem Feis Ile Urlaub auf Islay zu machen. Die Insel ist so winderschön und hat so viel mehr zu bieten als Whisky, das läßt sich viel besser ohne tausende Touristen um einen herum genießen. Das haben wir schon heute, nur einen Tag nach dem Festival, gemerkt und freuen uns nun umso mehr auf die folgenden paar Tage, die uns noch auf Islay verbleiben.
Over and out.

Re: Feis Ile 2013

BeitragVerfasst: Di 4. Jun 2013, 16:08
von whisky trinker
sehr schöne Berichte, vielen Dank....