Bescheuert oder genial?

Ich weiss, vielen geht die Ardbeg-Marketing-Maschinerie ganz gehörig auf den Senkel. Ich gehöre ehrlich gesagt nicht dazu, denn ich finde, die Leute verstehen ihr Geschäft und der Erfolg gibt ihnen ja auch Recht. Insbesondere die Pre-Launch-Aktivitäten rund um die Markteinführung des Ardbeg Galileo mit den Versuchen auf der ISS-Raumstation sind meines Erachtens PR-mässig ganz grosses Kino! Ich muss dazu aber auch sagen, dass ich selbst in der Werbung tätig bin und gutes Marketing wie beispielsweise jenes von Apple liebe.

Soeben ist mir als Ardbeg-Committee-Member jedoch ein Mail von Ardbeg ins Postfach geflattert, wo selbst ich mich frage, ob diese Aktion wirklich von A bis Z durchdacht ist, oder ob da vielmehr einem Nachwuchswerber die Pferde durchgegangen sind.

Um was geht es:
Ardbeg hat 1000 Poster zu verschenken, die man innert 5 Tagen mittels anklicken eines Links gewinnen kann. Soweit so simpel und gut. Ich habe bereits mitgemacht – nur schon, um zu sehen, ob ich das auch alles richtig verstanden habe.
Doch jetzt kommt es! Um den „grossen Hauptpreis“ zu gewinnen, muss ich nun dieses Poster (wenn ich denn zu den Glücklichen gehöre, die eines gewonnen haben) an einen ganz speziellen Ort kleben. Damit noch nicht genug, ich muss auch noch meine Wildplakatiererei – die vielerorts zumindest nicht gerne gesehen ist – auch noch fotografieren und auf der Facebook-Seite von Ardbeg posten, um an den grossen Hauptpreis zu kommen. Dieser grosse Hauptpreis ist ein von Mickey Heads (dem Chairman des Ardbeg Committees und der Distillery Manager von Ardbeg) signiertes T-Shirt.

Ich fasse gedanklich zusammen:
Der durchschnittliche Ardbeg-Geniesser ist wohl etwa irgendwo zwischen 35 und 55 Jahre alt, meist männlich und somit wohl bereits in der Mehrzahl ein gestandener Familienvater.
Dieser über 40 Jahre alter, gestandene Familienvater schnappt sich also Plakatleim und pappt das glücklich gewonnene Poster beispielsweise an die Landeszentrale der anonymen Alkoholiker, schiesst möglichst per Selbstauslöser – damit auch noch seine grinsende Visage auf dem Bild ist – ein Foto davon und postet es auf der Facebook-Page (selbstverständlich hat er einen Facebook-Account) von Ardbeg.
Und jener gestandene Familienvater, der sich mit seiner waghalsigen Aktion am tiefsten in die Scheisse geritten hat, gewinnt dann das von Mickey Heads signierte Ardbeg-Day-T-Shirt!

Also ehrlich, je me demande. Klar wäre es aus Ardbeg-Sicht herrlich, wenn sich 1000 Dummköpfe finden würden, die weltweit für den Gegenwert von EINEM T-Shirt für Ardbeg Werbung machen würden ohne, dass Ardbeg nicht einmal die Plakatierkosten zahlen müsste, von den normalerweise zu bezahlenden Aushängestellen ganz zu schweigen. Aber ob das wirklich aufgeht? Wenn der Hauptpreis eine Reise zum Ardbeg-Day auf Islay wäre, käme ich ja noch ins Grübeln, aber für ein T-Shirt?

Ich bin jedenfalls sehr gespannt und werde die Ardbeg-Facebook-Page in den nächsten Wochen öfters anschauen, um zu sehen, ob diese Rechnung aufging und ich mich dermassen in meiner Einschätzung dieser an sich cleveren Aktion getäuscht habe. Wäre das beworbene Produkt beispielsweise ein Snowboard (Zielgruppe somit 18 Jahre aufwärts) und der dazu passende Hauptpreis eine Abenteuerreise zum Amazonas, wäre die Aktion nämlich wieder genial.
Aber so fürchte ich, trifft eher der erste Begriff dieses Blogbeitrages zu.

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