Wasser ist zum Waschen da…

… und auch zum Whisky strecken, kann man es entzwecken.

alban Aber das mit dem Wasser im Whisky ist so eine Sache. Während die Einen mit der Pipette zwei, drei Tropfen ins Glas künstlern, kippen andere mutig dutzende Tropfen aus dem Krug in den Whisky. Jeden so wie er es mag. Mir ist es schon oft passiert, dass ich einen Whisky mit Wasser verdünnte und das Resultat punktgenau meinen Geschmack traf. Aber oh Schreck, beim nächsten Mal brachte ich die so geliebte Mischung einfach nicht mehr hin.

Ich habe mich damit abgefunden, dass jeder verdünnte Whisky anders schmeckt als der davor, bis ich im Internet auf den Begriff „Aräometer“ stiess. Eine Senkwaage zum Bestimmen des Alkoholgehaltes. Gesehen habe ich solche Aräometer schon oft, aber eine Verwendung für den privaten Gebrauch habe ich darin bisher noch nicht gesehen. Aber genau dieses Ding würde doch mein Problem vom „Wie viel Wasser, für wie viel Whisky“ lösen. Und so dachte ich mir: Fertig mit Tröpfchen zählen, ab jetzt wird gemessen!

Also habe ich mir ein Aräometer samt dazugehörendem Messzylinder bestellt und begann zu experimentieren. Als Versuchsobjekt musste ein Bowmore Tempest 10 Jahre alt mit 56% Alkoholgehalt hinhalten. Von den 56% verdünnte ich erst auf 55% und dann je in Einerschritten runter bis auf 45%. Bei 45% wurde der Tempest für meinen Geschmack zu flach und zu wässrig. Was ich aber darüber erlebte war eine faszinierende Reise durch die Aromen und Geschmäcker. Am Besten geschmeckt hat er mir mit 48%. Einziger Nachteil bei dieser Verdünnungsmethode ist, dass man mindestens 150 ml in den Zylinder geben muss, damit das Aräometer auch schwimmt.


Aräometer sind für verschiedene Messbereiche erhältlich (Abbildung = 35-85%)


Durch die Lichtbrechung in der Flüssigkeit erfordert das Ablesen der Skala etwas Übung

Um meine Studien mit Wasser etwas auszudehnen, füllte ich drei Samples des Bowmore Tempest mit 46%, 48% und 50% ab. Ein Feldversuch mit einem ahnungslosen Probanden musste her! Wie durch Zufall meldete sich Tom (mein Chefredaktor des ardblog) bei mir. Da wir beide gerade Zeit hatten, trafen wir uns tags darauf im Pot-Still Pub in Wallisellen.

Unter dem Vorwand, er müsse anhand dreier Samples die Destillerie herausfinden, tischte ich ihm drei Fläschchen auf. Die Informationen dazu waren:

  • Alle Proben sind aus derselben Islay-Destillerie
  • Die Whiskys sind zwischen 8 und 15 Jahre alt
  • Das erste Sample hat den tiefsten Alkoholgehalt

Natürlich gab ich Tom noch Papier und Schreibzeug, um Tasting-Notizen zu machen. Wie es sich gehört, wurde erst mal geschnüffelt, danach getrunken und anschliessend der Abgang genossen. Als er von 46% zu 48% wechselte meinte er: „Der Zweite erinnert mich ziemlich an die erste Probe.“ Ups… da hat er meinen Schwindel doch schon fast aufgedeckt. Denn eigentlich hatte er ja Recht, der Zweite war derselbe wie der Erste, lediglich der Alkoholgehalt variierte. Bei der dritten Probe merkte er aber einen Unterschied, aufgrund seiner Aussagen merkte ich, dass der 50%-ige sein Favorit sein musste.

Als ich ihn aufklärte, dass es sich bei allen drei Proben um einen Bowmore Tempest, lediglich in verschiedenen Verdünnungsgraden handelte, war er erstaunt von dem Resultat. Lustig an dem Ganzen war: Wir hatten einige Minuten vor dem Test noch beide über Bowmore gesprochen. Wir waren beide der Meinung, dass die neuen Abfüllungen zwar besser als diejenigen von vor etwa 5 Jahren, aber auch nicht so gut wie die alten sind (z.B. wie der alte 21-jährige). Also Bowmore insgesamt nicht wirklich unseren Geschmack trifft.

Womit Zweierlei bewiesen ist: Einerseits, das Auge bzw. die vorgefasste Meinung trinkt mit, denn Tom schmeckte insbesondere das dritte Sample sehr gut! Hat man also erst einmal eine Destillerie als weniger gut eingestuft, geht man sicher schon mit Vorurteilen an eine Probe der weniger beliebten Brennerei heran und andererseits, dass das Zugeben von Wasser eine wichtige Rolle spielt.

tom Erst einmal Danke Alban für das gelungene Experiment! Und bevor ich hier meine Verkostungs-Notizen einstelle, möchte ich euch an meinen sorgengeschwängerten Gedanken vor dem Tasting teilhaben lassen:

Als Alban seine Samples vor mir ausbreitete, dachte ich: „Ohlala, das kann ja wieder peinlich werden“, denn ich hatte mich schon einmal bei einer Online-Blinddegustation bis auf die Knochen blamiert! Damals organisierte „hias“ (ihn kennt ihr vielleicht von verschiedenen Whisky-Foren) eine „Journey through the Whisky World“ organisiert. Blind natürlich. Und nachdem ich die ersten beiden Samples verkostet hatte und bei beiden Proben die Ardbeg-typischen Zitronenschalen und auch Torf ausfindig gemacht hatte und das dritte Sample für mich ein typischer Bruichladdich war, dachte ich: „Aha, der will uns doch versch…“ und tippte entgegen dem Titel konsequent bei allen Whiskys auf Islay-Destillerien. Okay, es waren dann tatsächlich Proben aus Österreich und aus aller Herren Länder – nur keine aus Islay!

Doch nun zu den Notes:
1. Sample
Nase: leicht stechend, alkoholisch, schön malzig, warm, leicht nussig
Geschmack: trocken, warme Butter
Abgang: trocken, etwas bitter, relativ kurz

2. Sample
Nase: wieder buttrig, malzig, leicht nussig
Geschmack: weniger trocken als der Erste, wieder warme Butter, wieder malzig
Abgang: auch trocken und etwas bitter, relativ kurz
Insgesamt sehr ähnlich wie der Erste

3. Sample
Nase: Trockenfrüchte, Sherry, schönes Meersalz (sehr lecker, könnte mich reinsetzen in den Duft)
Geschmack: warme Butter, malzig
Abgang: rund, voll

Ihr seht, das dritte Sample bewertete ich komplett anders. Während ich bei den ersten beiden wirklich keinen Unterschied merkte (und dann geht es natürlich gedanklich gleich los im Kopf à la: „Mist, wenn das jetzt zwei komplett verschiedene Abfüllungen sind und du merkst keinen Unterschied, dann hab‘ ich mich ja schon wieder blamiert!“) schmeckte mir, insbesondere was den Duft betrifft, der Dritte sehr gut.

Und auf Bowmore bin ich übrigens auch nicht gekommen. Nachdem ich die „Torfdestillen“ Ardbeg, Lagavulin, Laphroaig, Caol Ila und Port Ellen ausgeschlossen hatte, schwankte ich zwischen Bruichladdich und Bunnahabhain und tippte schlussendlich auf Bunnahabhain. Auf Bowmore wäre ich nie gekommen! Na ja, im Vergleich zum ersten Blind-Tasting nur knapp daneben 🙂

Danke Alban für den gelungenen Versuch und den schönen Feierabend im Pot-Still Pub!

 

Dieser Beitrag wurde unter Whisky abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.