Schiller(nde) Preisliste

alban Es ist schon einige Wochen her, als ich mit dem Tram Nr. 2 bei der Station Opernhaus in Zürich einfuhr. Ich stand an der Tramtür und wollte gerade aussteigen als mein Blick durch eine Fensterscheibe Whiskyflaschen erspähte. Ich schaute geradewegs in das Regal der Brasserie Schiller beim Stadelhofen. Ich nahm mir vor, die Brasserie bei Gelegenheit genauer anzuschauen.

Am Mittwoch, den 5. August, hat sich die Gelegenheit ergeben. Ich schlenderte mit meiner Partnerin nach Feierabend durchs Niederdorf und bevor wir im Bahnhof Stadelhofen mit dem Zug nach Hause fuhren, machten wir einen Abstecher in die Brasserie Schiller.

Wegen des schönen Wetters und der Monster-Baustelle vor dem Haus waren wir fast die einzigen Gäste. Im Allgemeinen machte das Lokal einen positiven Eindruck auf mich. Da ich kein Gastro-Kritiker bin, möchte ich mich auch nicht gross über den Betrieb äussern. Das Personal war freundlich und hat sich sogar  Zeit für einen Schwatz mit uns genommen. Zur Bestellung gab es eine kleine Aufmerksamkeit in Form einer Schale mit Radieschen. Das Einzige, was mir etwas unangenehm aufgefallen ist, waren die Preise von „Les Single Malts“.

Schiller war eigentlich ein  Dichter, Dramatiker und Philosoph. Der Schöpfer der Preisliste entspricht aber nicht ganz dem Vorbild des Herrn Friedrich von Schiller. Ich jedenfalls konnte mir aus den Preisen keinen REIM machen. Der bestellte Ardbeg Renaissance kostete stolze 24 Fr. Ziemlich happige Preis-PHILOSOPHIE, wenn man nach nur 4 Drams die Flasche (Ladenpreis ca. 89 Fr.) schon amortisiert hat.

Karte Brasserie Schiller

Nur das Glas, in dem der Ardbeg serviert wurde, hatte etwas von Schiller, es war ein DRAMA. Ein Riesen-Becher mit endlos abfallenden Seitenwänden, an denen die Aromen vergebens hoch zu klettern versuchen um des Trinkers Nase zu beglücken. Ihr zu sagen, bald wird der geliebte Geschmack eines Islay-Whiskys deinen Mund durchfliessen, bevor er wärmend deine Kehle hinuntergleitet und der so geliebte rauchige Abgang dir die Tränen der Freude in deinen Augen anschwellen lässt.

"Whiskyglas" im Schiller

Okay, ich gebe zu, mit der Dramaturgie etwas übertrieben zu haben. Den rauchigen Ardbeg konnte ich auch in diesem  transparenten Eimer riechen. Aber hätte ich etwas Milderes bestellt, wäre die Nase sicherlich zu kurz gekommen. Aber das Schönste an meinem Schiller-Stück war, dass es als Dreiakter vorgeführt wurde. Mir wurde nicht nur ein Ardbeg im Eimer serviert, ich kriegte dazu auch noch einen Eimer voll Wasser und einen mit Eis.

Fire and Ice...

Wasser zum Whisky kriegt man oft, das finde ich auch angebracht, aber das Eis fand ich doch etwas deftig. Bei einer Bestellung von der „Les Bourbon“-Karte hätte ich es vielleicht noch verstanden, aber doch nicht zum Single Malt. Sollte ich mich wieder einmal zum Herrn Schiller verlaufen, werde ich mich sicher vorher erkundigen, wie ich den servierten Dreiakter richtig zusammen mischen muss, um von meinen Geschmacksnerven einen tosenden Applaus mit 10 Minuten Standing Ovations zu bekommen.

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