Harald Naegeli ist zurück

Ja, der Ardblog dreht sich nicht alleine um Whisky, sondern auch um all die schönen Dinge des Lebens, zu der auch die Kunst gehört. Diesen Mittwoch, den 27. Mai, war ich endlich nach Wallisellen unterwegs um Alban im Pot Still Pub zu treffen (hierzu kommt als nächstes ein separater Beitrag). Alban kennt ihr von vielen Artikeln hier auf dem Ardblog, insbesondere der Whiskykorb ist eine Errungenschaft von ihm und ich hatte ihn zuvor noch nie persönlich getroffen und ich freute mich riesig, ihn endlich kennen zu lernen.

Auf dem Weg dorthin blätterte ich im Zug wie immer im Blick am Abend und mein Blick fiel sofort auf folgenden Artikel:

Harald Nägeli ist zurück

Ihr fragt euch, warum mein Interesse so fieberhaft anstieg? Nun ja, weil ich vor wenigen Monaten genau das gleiche dachte! Ich war unterwegs nach Zürich ins Carlton zu einer dienstäglichen Afterwork-Party und wir hatten unser Auto im Parkhaus Talgarten an der Nüschelerstrasse eingestellt. Als ich die Treppe des Parkhauses hinaufstieg, sah ich sofort dieses von einigen als Kunstwerk und von anderen als Schmiererei titulierte Graffiti und ich dachte augenblicklich „wow, das ist ein „Naegeli“. Dennoch war ich mir nicht ganz sicher, aber ich war dermassen fasziniert, dass ich das Werk sofort mit meinem iPhone festhalten musste.

Und für all jene, die bis anhin nur Bahnhof verstanden haben, hier die Lebens-Geschichte von Harald Naegeli aus Wikipedia:

Harald Oskar Naegeli (* 4. Dezember 1939 in Zürich) wurde als Sprayer von Zürich Ende der siebziger Jahre weltweit bekannt.

Leben und Werk

Inspiriert durch Sprayer wie Gérard Zlotykamien, dessen Arbeiten er in Paris gesehen hatte, war er selbst illegal künstlerisch tätig geworden. Unvermittelt und stets überraschend tauchten seine Strichfiguren im Stadtraum auf. Sie waren präzise an Hauswänden und Betonmauern platziert und wirkten damals – trotz unverkennbarer künstlerischer Qualität – auf viele Menschen überaus provokant. Naegelis Identität blieb lange unentdeckt, denn er agierte im Verborgenen, oft über Nacht. Schliesslich wurde er aber doch gefasst; er hatte beim Sprühen seine Brille verloren und war zurückgegangen, um sie zu suchen.

Naegeli stand 1981 vor dem Zürcher Gericht und wurde wegen wiederholter Sachbeschädigung mit einer hohen Geldstrafe und neun Monaten Haft hart bestraft – von einem Richter, der ein Exempel statuieren wollte, wie der WDR-Journalist Hubert Maessen im deutschen Radio vom Prozess berichtete. Der Vollstreckung des Urteils entzog Naegeli sich durch eine Flucht aus der Schweiz. Es erging ein internationaler Haftbefehl.

Unterschlupf fand Naegeli zuerst in Köln bei der WDR-Redakteurin Marianne Lienau, die zusammen mit ihrem Kollegen Hubert Maessen 1980/81 in Zürich den (schwierigen) persönlich-journalistischen Kontakt mit dem bis dahin anonymen Naegeli gefunden hatte; daraus war u.a. die erste grössere deutsche Veröffentlichung über den Sprayer von Zürich entstanden, nämlich in der Kunst-Zeitschrift Art – Das Kunstmagazin (1981) von Lienau/Maessen. In Köln sprayte Naegeli den fulminanten Kölner Totentanz, den Maessen fotografisch dokumentierte und sowohl als Ausstellung in Köln als auch in Buchform 1982 publizierte. Nach dem Aufenthalt in Köln zog Naegeli ins «Asyl» bei Hubert Maessen in Düsseldorf, der ihn auch mit Joseph Beuys bekanntmachte.

Beim Grenzübertritt nach einer Reise in die skandinavische Heimat seiner Mutter wurde Naegeli schliesslich an der Grenze zu Dänemark gefasst. Trotz umfassender Proteste – u.a. setzten sich Willy Brandt und Joseph Beuys für ihn ein – musste er seine Strafe antreten und stellte sich mit angemessener Happening-Action den Schweizer Behörden; 1984 sass er seine Strafe ab. Im Gefängnis entstanden einige Keramiken mit den bekannten Naegeli-Figuren; Naegeli hatte sich nicht an die Gestaltungsvorgaben der Haftanstalt gehalten.

Nach seiner Entlassung zog Naegeli wieder nach Düsseldorf, u.a. wohl wegen der damit verbundenen Nähe zu Beuys. Er sprühte weiter – bis heute. Darüber hinaus erarbeitete er ein zeichnerisches Werk auf Papier, die sog. «Partikelzeichnungen». Dabei stehen die Bewegung und die Reduktion des Konkreten im Vordergrund. Neben klassischeren Arbeiten, bei denen die Natur oft eine grosse Rolle spielt, entstanden grosse gegenstandslose «Urwolken», an denen der Künstler oft Monate lang arbeitet.

In Zusammenarbeit mit dem Wiener Komponisten Karlheinz Essl entwickelte Harald Naegeli zwischen 1991 und 1993 das Performance-Projekt «Partikel-Bewegungen», bei dem er in Galerien und Museen sehr reduzierte Sprayaktionen auf Acrylglasplatten durchführte, die von Musik begleitet wurden.

Eines seiner letzten erhaltenen Strichmännchen aus seiner Zürcher Zeit, den weiblichen Wassergeist Undine an der Fassade des Deutschen Seminars in der Schönbergstrasse, liess der Kanton Zürich 2004 restaurieren und konservieren. Das illegal entstandene Graffito sprühte Naegeli 1978 an die damalige Betonwand des Physikinstituts. Nach einem Umbau 1995 stufte die kantonale Baudirektion diese Sprayerei als erhaltenswert ein und schützte sie mit einer Holzabdeckung. Nun, mit der Konservierung von Undine, rehabilitiert die Stadt Zürich Harald Naegeli und bezeichnet seine «Schmiererei» als Kunst und Naegeli als Künstler.

Doch nun endlich zu meinen Fotografien aus dem Parkhaus:

Naegeli im Parkhaus Talgarten

Die Naegelsche Handschrift ist doch unverkennbar oder?

Noch ein Naegeli

Nur einige wenige Striche und doch so viel Ausdruckskraft…

Naegeli-Graffiti von nah

und hier nochmals das gleiche Graffiti von näher.

Vielleicht sind diese „Schmierereien“ ja inzwischen bereits übermalt, aber hier im Ardblog werden sie zumindest weiterleben!

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3 Antworten auf Harald Naegeli ist zurück

  1. anonym sagt:

    du müßtes mal nach düsseldorf kommen. zur zeit wimmelt es nur so von seinen werken. ist schön zu sehen.

  2. ardblog sagt:

    Letztes Jahr war ich in Düsseldorf, es hat hier auf dieser Seite auch ein paar Bilder von dieser Reise. Eine wunderschöne Stadt! Naegelis habe ich damals leider nicht gesehen.

  3. zweifel rosalina sagt:

    Sehr geehrter Herr Naegeli
    „Ihre“ Spray-Figuren beglücken total. Jedes mal, wenn ich einer Ihrer phantastischen Schöpfungen begegne, muss ich stehen bleiben und gucken. Möchte jede am liebsten unter Panzerglas schützen.
    Wäre ich Hausbesitzerin, hätte ich liebend gerne an der Hauswand eine Spray Kunst von Ihnen.
    Hoffe schwer, dass jene bei der Dolderbahn bleiben wird. Sie macht froh. Sie ist genial schön… gestern bewunderte ich sie zusammen mit anderen Fahrgästen. Das rechte Auge hatte es uns besonders angetan.
    Auch jene am Hottingerplatz geniesse ich seit Monaten.
    Gratuliere und hoffe die Stadt Zürich zeichnet Sie mit dem Kunstpreis aus.

    Ich wünsche Ihnen Silberklänge, Sonnengolt, Mondgold, Glück und Frohsinn und Erfolg in diesem Neuen Jahr.

    Ganz herzlich

    Rosalina Zweifel

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