Schweizer Single Malt Whisky

Inzwischen gibt es ja schon einige Schweizer Whiskys und täglich werden es mehr. Ich gebe zu, dass ich diesem Trend eher etwas skeptisch gegenüber stehe. Das wäre ich auch, wenn die Schotten und Iren plötzlich Zwätschgä, Kirsch und Pflümli zu brennen beginnen würden. Aber vielleicht bin ich einfach auch nur altmodisch.

Auf jeden Fall habe ich mich riesig gefreut, als ich von meiner Freundin eine Flasche Hollen Single Malt Whisky aus Lauwil in Basel geschenkt bekommen habe. Seit Juli 1999 (vorher war es in der Schweiz verboten aus Grundnahrungsmitteln wie Getreide Schnaps herzustellen) wird bei der Familie Bader in der Whisky-Brennerei Hollen Whisky gebrannt.

Das Sortiment umfasst vier Grundsorten (eine Fassstärke, eine Sorte Whisky mit 42% im Weissweinfass gereift, eine Sorte mit 42% im Rotweinfass gereift und noch einen Holle-Rauchmalz-Whisky). Nach schottischem Recht dürfte sich der Hollen-Whisky nur knapp Whisky nennen, da diese Sorten lediglich 3-4 Jahre im Fass reifen durften.

Zudem gibt es noch einige Spezialitäten wie einen Dessert-Whisky, einen Single Grain aus Schweizer Weizen und eine Double-Matured-Frühlingsabfüllung 2008, welche drei Jahre in einem Weisswein-Chardonnay- und nochmals drei Jahre in einem Bourbon-Fass reifen durfte. Man sieht also schon, dass hier offensichtlich mit viel Sachverstand und Liebe zum Whisky zu Werke gegangen wird.

Doch nun endlich zu meiner geschenkten Flasche! Sie hat 42% und dem Etikett sehe ich nicht an, ob es sich nun um die im Weisswein- oder um die im Rotweinfass gelagerte Sorte handelt. Doch es muss sich um die rotweinfassgelagerte Sorte handeln, denn für einen dreijährigen ist der Whisky ziemlich dunkel und ich gehe jetzt einfach einmal davon aus, dass hier bei Hollen nicht gefärbt wird.

Der Duft ist für die 42% ziemlich kräftig alkoholisch und leicht stechend, die nur gerade drei Jahre Reifung machen sich in „grünen“, etwas unreifen Noten bemerkbar. Er erinnert mich fast ein wenig an einen Grappa. Auch beim Geschmack gibt man ihm mehr als die 42%, der Körper ist sehr voll und nun kommen auch wärmere Noten nach sonnengereiftem Getreide durch.

Fazit: Der Vergleich mit einem über 12-jährigen Islay-Whisky wäre unfair, aber ich traue den Leuten bei der Whisky-Brennerei Hollen durchaus einige leckere Tropfen zu, wenn diese noch ein paar Jahre länger liegen und reifen dürfen.

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3 Antworten auf Schweizer Single Malt Whisky

  1. Julia Nourney sagt:

    Ich weiß, der Beitrag ist schon etwas älter, ich bin aber jetzt erst drauf gestossen – Entschuldigung!
    Dieser Whisky stammt aus einem Weißwein-Faß (Chardonnay) und zwar kann man das an der Kapsel-Farbe erkennen. Für Rotwein-Faß-gelagerte Fässer verwendet Hr. Bader rötliche Kapseln.
    Die Farbe des Whisky entstammt vollständig dem Holz, da der Weißwein nur eine relativ kurze Verweildauer im Faß hatte, und dadurch das Faß immer noch in der Lage ist, viel Farbe und Geschmack abzugeben (es hat also nichts mit der Weinfarbe zu tun).
    Meine Glückwunsche übrigens, Sie haben noch eine alte Abfüllung im Regal stehen und damit eine Rarität, die neuen Flaschen lauten alle auf „Hollen“, dem eingetragenen Namen des Flurstücks, auf dem der Hof der Baders steht.
    Lassen Sie es sich gut schmecken!
    Julia Nourney

  2. Heinz Gisin sagt:

    Hallo

    Eine kleine Anmerkung:
    Lauwil liegt NICHT in Basel und auch nicht im Aargau (wie in der WhiskyTime 4-2009 beschrieben) sondern im Kanton Baselland.
    Trotzdem ein Slàinte math aus dem „Baselbiet“

    Gruss
    Heinz Gisin

  3. ardblog sagt:

    Danke Heinz, man kann immer dazulernen!

    Was hat es denn mit deiner E-Mail-Adresse auf sich? ard…

    Lieben Gruss
    Tom

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