Kindergarten in der Arena?

Auf den ersten Blick war es ja ganz herzig. Auf der einen Seite die jämmerliche Ihr-habt-uns-unseren-Führer-weggenommen- und auf der anderen Seite die debil grinsende Wir-haben-doch-gar-nichts-gemacht-Partei. Das hatte irgendwie etwas von Kindergarten-Pausenplatz-Romantik als es noch um geklaute Panini-Bildli ging.

Leider haben wir es hier jedoch nicht mit Hansli und Fritzli zu tun, sondern mit der politischen Führung der Schweiz. Und diese macht mir mittlerweile Angst.

Jeder, der am Vorabend der Wahl die Polit-Talk-Runden gesehen hat, weiss, dass da etwas im Busch war. Nach der Abwahl ergoss sich Spott und Häme über den Verlierer und seine Partei. Natürlich auch hervorgerufen durch deren Art der Politisierung, dennoch in meinen Augen schlechter politischer Stil. Ich habe von meinen Eltern gelernt, dass man nicht auf jemanden einschlägt, der schon am Boden liegt.

Nun zur Analyse der Gegenreaktionen. Sollte die neu gewählte Bundesrätin wirklich ihre Partei hintergangen und ihre Wahl mit Hilfe des politischen Gegners abgesprochen haben, ist es selbstverständlich das Recht dieser Partei, diese Person aus derselben auszuschliessen. Aber, wenn öffentlich gedroht wird, dass, wenn sie die Wahl annehmen werde, sie das Bundeshaus nur noch durch den Hintereingang betreten kann (man führe die Drohung zu Ende, was soll geschehen, wenn sie es dennoch durch den Vordereingang betritt? Buhrufe, Prügel oder gar meucheln?); wenn ganze Kantone mangels Gleichschritt mit der Parteilinie in Sippenhaft genommen werden; wenn nach Morddrohungen noch belustigt reagiert, statt öffentlich distanziert wird, dann ist dies mehr als nur schlechter politischer Stil. Und diesen haben wir nun schon eindeutig zu lange. Kritiklos von der eigenen Partei, darf Dr. Mörgeli seit Jahren den politischen Gegner denunzieren. Auch hier kam es mit dem unseligen Vergleich von Pascal Couchepin wie es kommen musste (hätte er sich den „Versprecher“ mit dem Propagandaminister geleistet, wäre ich über eine wenigstens ansatzweise Berechtigung ja noch ins Grübeln gekommen, aber der Vergleich mit dem Greuelschlächter ist absolut untolerierbar).

Um endlich auf den Punkt zu kommen: Wirft man mit Scheisse um sich, wird man eben früher oder später auch von ein paar Spritzern derselben getroffen und irgendwann werfen alle nur noch mit Scheisse um sich. Wollen wir das wirklich oder ist es nun endlich an der Zeit „Halt“ zu rufen? In diesem Sinne war gestern für mich Fulvio Pelli das Licht am Ende des Tunnels. Er war der einzige, der erkannt hatte, dass uns – und insbesondere die Schweiz – dies alles nicht weiterbringt.

Kehren wir doch also bitte wieder ALLE zu Anstand und Respekt zurück und beginnen endlich wieder gemeinsam an unserer schönen Schweiz zu bauen. Sie ist es wert.

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Eine Antwort auf Kindergarten in der Arena?

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